Das Innenleben einer Stromverteilereinheit besteht aus spezialisierter Leistungselektronik. Hochvolt-Schütze (HV-Contactors) sind elektromechanische Relais, die das kontrollierte Öffnen und Schließen der Hauptstromkreise übernehmen. Da beim Schalten unter Last bei 800 Volt Lichtbögen entstehen, verfügen diese Schütze über Mechanismen zur Lichtbogenlöschung (Arc Suppression). Eine direkte Verschaltung der Batterie mit hochkapazitiven Verbrauchern wie den Zwischenkreiskondensatoren des Traktionsinverters würde einen hohen Einschaltstrom (Inrush-Current) erzeugen, der Schütze verschweißen oder Kondensatoren zerstören könnte. Die PDU implementiert zwingend einen Vorladeschaltkreis (Pre-Charge-Schaltkreis), bestehend aus einem Vorladeschütz und einem Vorladewiderstand. Der Strom wird zunächst über den Widerstand geleitet. Die Dimensionierung erfolgt anhand der nachgelagerten Schaltungskapazität (beispielsweise 1250 Mikrofarad). Das Ziel ist es, diese Kapazität innerhalb eines Zeitfensters von unter 100 Millisekunden auf mindestens 95 Prozent der Nennspannung der Batterie aufzuladen. Das Batteriemanagementsystem (BMS) verifiziert diesen Spannungsausgleich, woraufhin die Hauptschütze verlustfrei schließen.
Die physikalische Leistungsverteilung im Gehäuse der HV-PDU erfolgt über Stromschienen, sogenannte Busbars, aus Kupfer oder Aluminium, die häufig vernickelt sind. Diese Bauteile reduzieren den elektrischen Widerstand und die thermischen Verluste. Auf den Busbars sind Strom- und Temperatursensoren montiert. Moderne Messsysteme nutzen hochpräzise Shunt-Widerstände (0,5 mΩ bis 0,02 mΩ) oder Hall-Effekt-Sensoren – bei hohen Sicherheitsanforderungen auch in redundanter Ausführung –, um den Spannungsabfall zu messen. Ausgestattet mit 16-Bit-Analog-Digital-Wandlern (ADC) kompensieren sie Temperaturschwankungen dynamisch und erfassen Ströme von bis zu ±2.500 Ampere zuverlässig. Für den Leitungsschutz kommen traditionell Hochvolt-Schmelzsicherungen zum Einsatz, die bei Überstrom physisch durchbrennen. Diese weichen zunehmend elektronischen Sicherungen (eFuses oder Halbleiterschaltern). Hochintegrierte Schutzkomponenten kombinieren mittlerweile Schütz, Vorladeschaltkreis und Sicherung. Sie lösen in Bruchteilen einer Millisekunde aus, verhindern Kontaktverschweißungen (Contactor Welding) und lassen sich nach einem Fehlerfall elektronisch zurücksetzen. Diese schnelle Reaktionszeit reduziert die Notwendigkeit großer Sicherheitsmargen (Oversizing) bei der Kabeldimensionierung, was Gewicht spart und dadurch die Reichweiten verlängert.
